
Green is in your head
Urban Mobility - Vive la Velorution
“You say you wanna revolution, well you know, we’d all love to change the world” (“Revolution” by the Beatles)
Es wird wieder über Fahrräder gesprochen. Was früher nur Assoziationen zu den Jungs in den bunten Trikots provozierte, gehört heute längst zum Straßenbild – auch in deiner Stadt! Von Lederhosen und Chucks bis hin zum Norweger-Pulli und Birkenstock-Sandalen, vom Radikal Chic bis hin zum Secondhand-Grunge, das Fahrradklientel stellt heute eine bunte Mischung dar und so vielfältig wie die Farben des Regenbogens.
Fahrräder haben mich persönlich immer fasziniert! Dieses Gefühl, sich mit der eigenen Kraft schnell und bequem fortbewegen zu können, ohne Verschwendung von Ressourcen, dafür aber mit einem Spaßfaktor hoch zehn, der es manchmal ermöglicht, Konzepte wie Schwerelosigkeit und schlechtes Wetter außer Kraft zu setzen, ist einzigartig! Heute haben wir die beste Technik für ein sorgloses Leben: Nabenschaltungen und Nabendynamos , tolle Lichtsysteme für mehr Sicherheit und vieles mehr. Aber es gibt heute auch eine Zielgruppe da draußen, die mehr will ….
…Denn was wir heute brauchen, das sind Fahrräder, die etwas können! Sie bringen uns nach Hause, sie führen uns aus, sie tragen unser Gepäck und manchmal unsere Freunde, sie lassen uns im Pulk fahren und uns so fühlen wie ein moderner Marlon Brando in “Der Wilde”! Aber sie helfen uns auch, zusammen mit der Oma und den Enkelkindern die Brötchen vom Bäcker zu holen. Fahrräder bringen uns unsere Pizza, Fahrräder bringen uns die Post. Beim Fahren können wir Geschwindigkeit oder Gemütlichkeit wählen, Anstrengung oder Lässigkeit, den höchsten Berg oder den flachen Radweg am Fluss entlang. Und das Beste daran ist, dass diese Entscheidung unsere eigene ist. Wir sind die Bewegung!
Fahrräder sind gute Begleiter. Z. B. für Kinder, die ihre ersten zarten Schritte in die Unabhängigkeit tun, zuerst auf dem Bürgersteig vor dem Haus, dann auf dem Weg zur Schule, dann später ins Abenteuerland Jugend. Stets wird das Fahrrad sie begleiten, sie schützen und sicher wieder nach Hause bringen. Später beim ersten Rendezvous, beim ersten Kuss oder Kinobesuch wird das Rad an unseren Erfolgserlebnissen teilhaben und uns bei Niederlagen mit dem Fahrtwind trösten. Wie dein allerbester Freund.
Fahrradfahren für Erwachsene hat auch eine politische Dimension. Denn Fahrradfahrer machen sich Sorgen um unsere Welt, speziell um unsere Umwelt und sie haben eine ganz bestimmte Meinung dazu. Die werden sie laut äußern, wenn es um solche Punkte wie Nachhaltigkeit geht. Ihre Fahrräder bringen sie aber auch in den Biergarten und zum Supermarkt und sie sorgen für eine bessere Fitness und für mehr Zufriedenheit. Mobilität ist wird ein immer wichtigeres Thema, und jeder sollte es längst begriffen haben, dass wir unseren CO2-Verbrauch reduzieren müssen. Und wo könnten wir besser damit anfangen als bei unserer eigenen Mikro-Mobilität? Die Fahrradbranche trifft sich einmal im Jahr zu einer Messe in Las Vegas, im „Sodom und Gomorrha“ des Stromverbrauchs. Noch vor ein paar Jahren wurden Fahrradfahrer mit Tiraden von Hupkonzerten, Beschimpfungen und Beleidigungen von den Straßen verjagt. Heute hat sich diese Einstellung gewandelt und es gibt auch dort immer mehr Menschen, die diesem Schritt hin zu einer nachhaltigen Mobilität wagen. Man kann immer noch sein Auto lieben, aber alle Wege unter 5 km sollte man auf zwei Rädern erledigen, angetrieben von der eigenen Muskelkraft.
Eine Teilnahme an der Debatte zum Thema „Fahrrad statt Auto!“ ist allerdings überflüssig. In ein paar wenigen Szenarien kann dies funktionieren – dort, wo Autofahren wirklich nervig ist und dort, wo das ÖPV-System über genügend Finanzen verfügt. Fahrräder müssen co-existieren mit Autos, Bussen, Zügen, U-Bahnen und auch Fußgängern, weil gerade das das Geheimnis des Erfolges des Fahrrads ist. Wir sollten also nicht immer polarisieren, wenn ein gemeinsamer Nenner dringend gebraucht wird. So, liebe Bike-Maniacs, nun tief durchatmen, die Straße teilen und an der nächsten Ampel den Autofahrer neben dir schön grüßen. Es könnte sein, dass er genauso freundlich zurück grüßt.
Aber reicht das eigentlich aus, nur ein alternatives Transportmittel zu sein? Ist es genug, den Autofahrern zu zeigen, wie man es besser machen kann? Oder funktioniert die Bewegung Fahrrad nur, weil sie billiger ist?
Die Antwort ist: Nein! Wir brauchen mehr als nur Ideen, Fakten und technische Spezifikationen und mehr als nur ein schlechtes Gewissen! Wir brauchen Kultur, Kunst und Schönheit. Menschen fahren eben nicht nur deshalb Rad, weil ihr Verstand es ihnen empfiehlt, sie tun es, weil es belebend, aufregend und einfach ein geiles Gefühl ist, so viel Gutes auf einmal zu tun! Radfahren ist gut für deine Gesundheit, gut für dein Portemonnaie, gut für die Umwelt, gut für deine Laune und gut für dein Karma. Es ist Zen, es ist Rausch, es ist Liebe. Deshalb: Keep moving!
Frank Zappa playing the Bicycle in 1963 on the Steve allen showZum Schluss ein Beispiel für die Schönheit des Fahrradfahrens. Was könnte besser sein als eine 5000-km-Tour von Nordkalifornien nach Mexico zusammen mit der amerikanischen Band „The Ginger Ninjas“ – nur auf Fahrrädern? Da ist eine moderne Rock´n´Roll-Band im Jahr 2007 mit Fahrrädern unterwegs, die die Instrumente tragen, die die PA-Anlage der Band und die gesamte Crew transportieren und die sogar in der Lage sind, den Strom zu generieren, um Konzerte überall, wo es gerade in den Sinn kommt, veranstalten zu können. Das ist nicht nur Schönheit – das ist auch Kultur, Kunst und Abenteuer. Mehr davon!
The Ginger ninjas in mexico